Der Innenraum einer Kirche. Zu sehen sind u.a. hellgraue Bankreihen, eine geschnitzte Kanzel und ein Altar mit Retabel.

HAVENKIRCHE

CHRISTUS- UND GARNISONKIRCHE

Hallo in einer besonderen Kirche: Christus- und Garnison

Die Christus- und Garnisonkirche ist 1869 gegründet worden. Am gleichen Tag als auch die Stadt ihren Namen bekam. Die Kirche hat eine Vielzahl von unterschiedlicher Namen gehabt, bis sie seit 1959 Christus- und Garnisonkirche heißt.

Unsere Kirche lässt alle, die diese Kirche besuchen, nicht unberührt. Viele Besonderheiten fordern heraus und sind ganz außergewöhnlich: Seien es die Wappen, die Tafeln, das Mahnmal, sie alle sind für eine Kirche eher ungewöhnlich. Wer an einem normalen Wochentag diese Kirche besichtigt, wird auf der Suche nach Geschichte vieles entdecken können, das zum Nachdenken und Weiterdenken anregt.


Und auch der und die, die hier Ruhe sucht, wird diese finden, sei es vor dem Kerzenbaums oder sei es im Angesicht des Altarbildes und der Altarfenster.  Die Christus- und Garnisonkirche als offene Kirche bietet für die unterschiedliche Besuchenden viele Themen und Ruhepunkte an.

Wer hier regelmäßig Gottesdienst feiert,  wird sich von all dem nicht mehr berühren lassen. Mancher Gottesdienst greift das Thema der Geschichte und der Erinnerungen ausdrücklich auf.


Aber an den meisten Sonntagen wird klar: das gemeinsame Feiern eines Gottesdienstes geschieht in der Regel jenseits aller Geschichtsaktionen. Gottes Wort und seine Nähe laden uns zum gemeinsamen Sein ein. Und wir feiern dies mit einer bunten Vielfalt an Gottesdiensten.


Wenn diese Kirche Sie zum Widerspruch reizt, freuen wir uns über eine Rückmeldung und wir freuen uns, Sie an einem Sonntag begrüßen zu können, damit Sie erleben können, wie wir hier in dieser Kirche feiern können.

Die Geschichte einer einzigartigen Kirche

Hier erklären wir Euch exemplarische einige Besonderheiten dieser Kirche. Es gibt noch viel mehr. Wer richtig eintauchen will in die Geschichte, der besucht eine der vielen Kirchenführungen. Aber auch täglich kann jede/r auf der Südempore in einem kleinen Museum in die Geschichte der Stadt und der Kirche eintauchen. Herzlich willkommen.

Das Altarbild

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Das Altarbild

In der Jahreswende 1925 / 26 malte der Hamburger Hugo Schnars-Alquist im Auftrag der Kirchengemeinde Wilhelmshaven sein Seebild „Per crucem ad lucem“ – „Durch’s Kreuz zum Licht“. Am 31. Mai 1926 wurde es in der Marinegedächtniskirche im Altarraum als Bild hinter dem Altar aufgehängt. Seitdem bestimmt es den Blick von allen Besuchenden in diesem Gotteshaus. Sowohl der Zeitpunkt der Hängung als auch der Ort waren nicht zufällig. Das Bild fügte sich homogen in den damaligen Geist als auch in das weitere Interieur dieser Kirche ein. Im Jahre 1926 jährte sich zum zehnten Mal die größte Seeschlacht des ersten Weltkriegs, die im Skagerrak stattfand. In dieser Schlacht trafen die deutsche und englische Flotte aufeinander.

Die mit großem Propagandaaufwand und starkem antienglischem Akzent aufgerüstete deutsche Hochseeflotte blieb im gesamten Kriegsverlauf der britischen Flotte unterlegen. Sie konnte weder die Seeblockade aufheben noch konnte sie die alliierten Versorgungsverbindungen nachhaltig stören. Das einzige größere Zusammentreffen der beiden Flotten in der Seeschlacht am Skagerrak (31. Mai bis 1. Juni 1916) endete mit Verlusten für beide Seiten. Mehr als 8000 englische und deutsche Soldaten sterben. Die deutschen Schiffe kehrten teilweise nach Wilhelmshaven zurück. Mit dem Auftrag an Hugo Schnars-Alquist, ein Bild zu malen, das an diese Schlacht erinnern sollte, griff die Kirchengemeinde ein Thema auf, das auch ein Jahrzehnt später noch beständig in den Erinnerungen dieser Stadt vorhanden war.

Und es passt sich in die Zeit: Es kündigt an: Eigentlich sind wir die wahren Sieger des Krieges. Ein harmloses Bild, das allerdings eine gewaltige Propagandageschichte im Hintergrund hat. Eigentlich eine bildliche Umsetzung der damaligen Dolchstoßlegende.

Das Altarbild

Die Herero Tafel

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Die Herero Tafel

1904 kommt es im heutigen Namibia zu einem Krieg zwischen den deutschen Kolonialherren und den einheimischen Stämmen. Im Laufe der Auseinandersetzungen werden zehntausende der Ureinwohner umgebracht. Unter seriösen Geschichtsforschern gilt dieser Krieg heute als Völkermord. Die Marmortafel wurde im Jahr 2005 durch eine Plexiglasscheibe erweitert, die von der afrikanischen Seite der Opfer erzählt. Am 12. Januar 1904 bricht der Krieg zwischen den Herero Stämmen unter dem Oberhäuptling Samuel Maharero und den Deutschen aus. Überall im Hereroland dringen bewaffnete Einheimische in die Farmhäuser ein und töten ca. 150 deutsche Männer. Mit einem Schlag fällt die ganze, von Hereros bewohnte Region in ihre Hände. Frauen, Kinder und Missionare sollten ausdrücklich geschont werden. Der Herero-Unterhäuptling Daniel Kariko berichtet später: „Auf unseren geheimen Zusammenkünften beschlossen unsere Häuptlinge, das Leben aller deutschen Frauen und Kinder zu schonen. Auch die Missionare sollten geschont werden. Nur deutsche Männer wurden als unsere Feinde betrachtet.“

Aber gegen die modern bewaffneten deutschen Soldaten hat das Volk der 80.000 Herero keine Chance. In der Schlacht am Waterberg kesseln die deutschen Truppen 50.000 Herero – Männer, Frauen und Kinder – ein. Viele werden getötet. Die Überlebenden werden in die wasserlose Omaheke-Wüste getrieben. Sie verdursten. Im November 1904 ist der Freiheitskampf der Herero gegen die deutsche Kolonialmacht beendet. Von den ursprünglich etwa 80.000 Volksangehörigen werden nur noch ca. 16.000 Überlebende gezählt. Als Enkel einer überlebenden Hererofrau berichte der Namibier Kautu von der Vertreibung des Hererovolkes in die Sandwüste Omaheke und dem dort erfahrenen unsäglichen Leid:

„Wenn sie an einen Sandbrunnen kamen, und es gab Wasser, dann tranken die Krieger. Die Frauen tranken nicht, damit die Krieger Kraft hätten zu kämpfen. Und wenn sie Hunger hatten, sagten die Männer zu den Frauen. „Das Kind kann ruhig sterben. Ich muß aus deiner Brust die Milch saugen, denn ich kann nicht anders, damit ich kämpfen kann“. (Dieser Text ist auf die Plexiglasscheibe gesetzt worden, der die Marmortafel ergänzt.)

Die Herero Tafel

Das Mahnmal

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Das Mahnmal

1957 wurde das Marineehrenmal eingeweiht. Dieses Mahnmal erinnert an die deutschen Toten der Marine auf See in den beiden Weltkriegen. Es zählt Schiffe auf und beherbergt insbesondere ein Buch mit über 63 000 Namen von Menschen, die im zweiten Weltkrieg auf See starben. 1957 wird das Mahnmal eingeweiht. Es ist wie eine Krypta gehalten. Etwas tiefer gelegen und doch auch höher als das gegenüberliegende Seitenschiff. Die linke Seite erinnert an die Toten des ersten Weltkriegs, die rechte Seite an die Toten des zweiten Weltkriegs zur See. Es werden nur die deutschen Soldaten zu See in den Blick genommen. In der Mitte liegt das Grabmal des unbekannten Seemanns. Dahinter zitiert das Glasfenster das Altarbildes. Eine Bronzeplatte mit Eichenlaub, die wie ein Meer gestaltet ist, fungiert als Grabplatte.

Wohl mit großen Fragezeichen ist dieser Raum so gestaltet worden. Als das Ehrenmal eingeweiht wurde, lud nicht die Kirchengemeinde oder die Landeskirche oder der geschäftsführende Pastor ein, sondern Friedrich Ronneberger, der als Pastor schon pensioniert war. Ehrengäste an diesem Tag waren die letzten Großadmiräle des zweiten Weltkriegs Dönitz und Raeder. Verurteilt in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher. Eine deutliche politische Akzentuierung zur damaligen Zeit. Sie alle starben für ihr Vaterland. Diese Inschrift verdeutlichte, nicht das Kreuz steht im Mittelpunkt, nicht der Tod des Christus für uns alle, sondern der Tod der vielen Soldaten wird heroisierend über alles gestellt. 2017 wird die Inschrift mit einem PUNKT und einem FRAGEZEICHEN ergänzt.

Sie alle starben: das ist richtig und schrecklich. für ihr Vaterland: darüber muss gestritten und gesprochen werden. 

Das Mahnmal

Segelschulschiff Niobe

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Segelschulschiff Niobe

Das Segelschulschiff Niobe ging am 26. 7. 1932 bei Fehmarn in der Ostsee unter. Grund war ein schwerer Sturm. 69 junge Seeleute starben dabei, manche wurden niemals geborgen. Einige der Toten stammten aus Wilhelmshaven. Auf der linken Seite des Kirchenschiffs erinnert ein Segel und ein bronzener junger Seemann an den Untergang des Segelschulschiffes Niobe.  Der Seemann steht auf einer Holzplanke, die die martialischen Worte trägt: SIE KÄMPFTEN – SIE STARBEN – SIE LEBEN.

Unter der Holzplanke hängt ein Rettungsring mit dem Schiffsnamen. Den Betrachtenden wird der Eindruck vermittelt: mit großer Treue gingen sie in den Kampf und starben. Es bleibt hier in der Kirche die Frage: Um welchen Kampf geht es hier?  Ist wirklich der schreckliche Todeskampf der jungen Männer gemeint, die mit dem Schiff untergingen oder wird die Fahrt und die damalige Ausbildung auf der Niobe als „Kampf für Deutschland“ gesehen?


Segelschulschiff Niobe

Die drei Altarfenster

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Die drei Altarfenster

Die Altarfenster erzählen die Geschichte Jesu. 1960 eingesetzt und 1998 renoviert stehen sie in farblichem Kontrast zum Altarbild. Nachdem die Kirche nach einer Wiederinstandsetzung wieder benutzt wurde, erstellt der Wilhelmshavener Künstler Ivar O. Lim die Fenster. Ende der 90er Jahre wurden sie durch Schutzglas gesichert. Das Besondere dieser Fenster ist ihre außergewöhnliche Strahlkraft bei Sonneneinwirkung. Auffällig sind die durchweg sehr großen Augen der vielen dargestellten Personen.

Die Fenster erzählen in zwölf Bildern die Geschichte Jesu. Die Bilder erzählen von unten nach oben:

Linkes Fenster: Weihnachtsgeschichte – der zwölfjährige Jesus im Tempel – Auferweckung der Tochter des Jairus – Bergpredigt

Mittleres Fenster (Passionsgeschichte): Einzug in Jerusalem – Abendmahl – Jesus Verspottung - Kreuzigung

Rechtes Fenster: Grablegung – Auferstehung – zweifelnder Thomas – Pfingsten


Die drei Altarfenster

Flaggen

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Flaggen

In den 20er Jahren holten die damaligen Pastoren mehr als ein Dutzend Flaggen in das Hauptschiff der Kirche. Seit November 2000 sind die Flaggen zur Restaurierung in einen Tuchwerkstatt. Neben dem Altarbild sind die Flaggen für viele Wilhelmshavener ein deutliches Erkennungszeichen der Kirche gewesen. Sie stammten von früheren Marinedienststellen oder sind unterschiedliche Standarten.  

In das Innere der Kirche ragend, bestimmten sie das Bild der Kirche vom Eingang bis zur Vierung. Als sie sich durch Licht und Lufteinflüsse immer mehr auflösten, wurden sie nach dem Projekt Expo Kirche am Meer im Jahr 2000 abgenommen. Eine Flagge ist derzeitig auf der Empore in der Kirche zu sehen. Die anderen Flaggen liegen im Archiv.


Flaggen

Schiffswappen

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Schiffswappen

Jede Bank ist mit einem Schild verbunden. Die Schilder beinhalten Wappen, Namen und Datum der Indienstnahme von Schiffen der Marine. 1922/23 sammelten die Pastoren Müller und Ronneberger Wappen von Schiffen und befestigten diese (mit anderen Marinezeichen) an den Wänden der Kirche. Erst bei der Instandsetzung der Kirche im Jahre 1959 wurden die Wappen aus der Kirche entfernt und durch die Wappen an den Bänken ersetzt.

Die Wappen zitieren also im übertragenen Sinne die ehemaligen Originale in der Kirche. Neben einzelnen Schiffen wird auch an ganze Flottillen erinnert. Ein System in der Reihenfolge ist nicht zu erkennen. Vereinzelt sind originelle Namen zu finden (rechte Seite, außen vorne). Die Wappen wurden in der Werkstatt des Wilhelmshavener Bildhauers Johannes Schulz hergestellt.


Schiffswappen

Das erste Altarbild

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Das erste Altarbild

Auf der südlichen Empore hängt das ursprüngliche Altarbild der Kirche. Es wurde der Gemeinde 1872 bei der Einweihung vom Kaiser geschenkt. Paul Stankiewicz malte das Bild „Die Auferstehung Christi“ im sogenannten Nazarener Stil. Bis 1926 dominierte es den Altarraum. Dann musste es dem jetzigen Altarbild Platz machen. Heute ist wohl nicht mehr nachzuvollziehen, welche Reaktionen dies damals hervorrief.

Ein biblisch orientiertes Bild wich einer Naturdarstellung mit kriegerischem Hintergrund. Das erste Altarbild fand seinen Platz auf der Orgelempore. Im Krieg erlitt es einige Schäden (wahrscheinlich) durch Transport. Wie bei den Flaggen auch, soll über die Restaurierung des Bildes im Rahmen der Kirchensanierung entschieden werden.


Das erste Altarbild

Festmachen

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Festmachen

„Festmachen“ - 2000 und 2019 bestimmt die Kunstinstallation FESTMACHEN die Südstadt und die Christus- und Garnisonkirche. Die Installation der Künstlerin Borghild Eckermann war an der Kirche angebracht worden. Die Installation regte zu unterschiedlichen Interpretationen an.

Die einen sagten, dass es ein schönes Bild für den Tag der Niedersachsen war (Mehr Himmel auf Erden). Für die anderen war es ein gutes Bild für das Festmachen des Kirchenschiffes mitten in der Stadt. Der Festmacher ist längst entfernt, aber der Poller steht als Zeichen der Aktion immer noch auf dem Rasen der Kirche.


Festmachen

Virtuelle Begehung der Kirche

Unser wundervoller Kooperationspartner die IntelligentMobiles GmbH hat schon zu früher Zeit eine 3D-Führung für uns erstellt. Hier kommt Ihr an alle Ecken der Kirche und außerdem könnt Ihr viele Texte nachlesen, die in der Kirche im Emporen Museum (Licht und Schatten) oder im Eingangsbereich stehen und hängen. Taucht ein in eine besondere Welt!

Kontakt

Christus- und Garnisonkirche
Am Kirchpl. 1
26382 Wilhelmshaven